Wurzelkanalbehandlungen

Grundsätzliches / Endodontologie

Die „Endodontologie“ (Lehre vom Zahninneren) beschäftigt sich mit der Pulpa, einem komplex aufgebauten Weichgewebe im Inneren des Zahns, welches bis in das Dentin (die innere Zahnhartsubstanz) hineinragt.

Durch einen Unfall oder durch eine Karies kann es passieren, dass das empfindliche Gewebe beeinträchtigt wird. Diese Beeinträchtigung zu erkennen und angemessen zu behandeln, ist das Ziel meines Spezialgebiets, der Endodontologie.

Wurzelkanalbehandlung

Die Wurzelkanalbehandlung ist eine notwendige Therapiemaßnahme, wenn die Zahnpulpa irreversibel entzündet oder bereits abgestorben ist. Der Hohlraum im Zahn, in dem sich üblicherweise eine gesunde Pulpa befindet, ist dann beispielsweise mit Resten des untergegangenen Gewebes und Bakterien gefüllt.

Daher kommt dem Zahnarzt die Aufgabe zu, die Bakterien, die in das Innere des Zahns eingedrungen sind, zu entfernen.

Zum Abschluss der Behandlung, die üblicherweise in 2 bis 3 Sitzungen (Zeitdauer u. U. eine Stunde) abläuft, wird der Hohlraum mit einem Füllmaterial versiegelt, um eine erneute Kontamination zu verhindern. Wegen der sehr feinen Strukturen wird die Behandlung zumeist komplett unter einem dentalen Operationsmikroskop durchgeführt.

Außerdem erlauben moderne Instrumente und Techniken beim Auffinden, Desinfizieren und Füllen der Wurzelkanäle eine minimal-invasive Behandlung und eine deutlich verbesserte Desinfektion und somit eine bessere Prognose für den langfristigen Erhalt Ihres Zahns.

Revisionsbehandlung

In einer Zahnwurzel – große Backenzähne haben 2 oder 3 Wurzeln (mit z. T. mehreren Kanal-Systemen) – können sich unterschiedlichste Eingänge in dieses System befinden, welche dann wieder zusammenlaufen und sich vereinigen, um sich dann ggf. wieder zu trennen. Wegen der komplizierten anatomischen Voraussetzungen liegt die Prognose eines wurzelkanalbehandelten Zahnes bei fachmännischer Durchführung nicht bei 100 %, sondern bei ca. 90%.

Ein bereits wurzelkanalbehandelter und gefüllter Zahn kann leider auch Beschwerden machen. Manchmal entsteht ein sogenannter Fistelgang. Die Ursache dafür liegt häufig in einer unvollständigen Desinfektion des Wurzelkanalsystems.

Es ist in vielen Fällen möglich und sinnvoll, die „alte“ Wurzelkanalfüllung zu entfernen und zu versuchen, das Ergebnis zu verbessern. Diese Behandlung nennt man „Revisionsbehandlung“.

Im Gegensatz zu den erwähnten Alternativen ist sie kein chirurgischer Eingriff und wird – wie die Wurzelkanalbehandlung auch – durch eine Zugangsöffnung in der Zahnkrone durchgeführt.

Komplikationen

Beim Bearbeiten des grazilen Wurzelkanalsystems wie auch beim Füllen können verschiedene Probleme entstehen. U. a. ist die Instrumentenfraktur (Abbrechen eines der feinen Instrumente – eine typische Komplikation) besonders gefürchtet.

Im Rahmen meiner Arbeit am UKM habe ich unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. K. Ott eine eigene Technik zum Management einer häufigen Komplikation, der Instrumentenfraktur, entwickelt und international veröffentlicht. Gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. S. Bürklein arbeiten wir derzeit an der Weiterentwicklung dieses Verfahrens.

Wurzelspitzenresektion

Die Wurzelspitzenresektion (WSR) stellt eine chirurgische Behandlung dar, die häufig nach einem Misserfolg der Erstbehandlung angewandt wird.

Sie ist oft die letzte zur Verfügung stehende Maßnahme, wurzelkanalbehandelte Zähne mit Entzündungen oder Zysten an den Wurzelspitzen zu erhalten.

DVT-Untersuchung

Die Komplexität des Wurzelkanalsystem kann mit den klassischen zur Verfügung stehenden Röntgenaufnahmen nicht detailliert dargestellt werden. Mit der Digitalen Volumen-Tomografie lassen sich auch feine Strukturen auflösen und erkennen, was allerdings mit einer deutlich erhöhten Strahlenbelastung einhergeht.

Ob der jeweilige Nutzen den Schaden oder das Risiko überwiegt, ist eine fallbezogene Entscheidung, die wir mit Ihnen als Patient nach der entsprechenden Beratung zu treffen haben.